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gehSenge: 4 joseph: Kupfer

Kupfer – blutrot

Unter der Tempelschwelle fließt Blut
in die stille Landschaft, ganz fern.
Kupfer blutrot - in einem anderen Land
lehren die neuen Henker das Sterben.

Kupfer und Erde.

Das stumme Blut der Väter und Großväter
pulsiert in der Arabia.
Die Jünglinge diesseits des Altars,
laufen offen aber verletzlich
in den Kugelsturm.
Ohne Worte sprachlos
haben sie zuletzt
alle das gleiche Gesicht.

Kupfer als Leiter und Isolator.

Aber uns, die wir vorbeischauen
ertönt eine Stimme von weit
leise, sehr leise – eine Mutter,
Mutter in einem fernen Land.
Sie spricht die Sprache,
die ihr zugesprochen ist:
„Wir haben keine Arbeit, keine Häuser.“

Aber wer von uns wacht?
Wer warnt,
eh die Stimme verstummt?

Kupfer als Handlungszusammenhang.

Schritte in den Abendstunden,
dann fallen Schüsse
auf schlafende Demonstranten.
Im Takt der Mörser zertreten
die Truppen die Schmerzen
ihrer Brüder und Schwestern.

Uns, die wir nicht hören,
klagt die Stimme, die nach Sprache sucht.
Sie spricht, sie bedient sich nicht:
„Ich bin eine Mutter dieses Landes.“

Neue Abgründe, wenn die Kugeln treffen.
Sie wagt den Klang
jenseits der Sprache:
„Sie schießen unsere Kinder tot.“
Moment, der nun gekommen ist.

Kein Name dem Rot,
das ins Meer fließt.
Die Schreie verstummen in Tränen.

Kupfer obliegt praktisch und gedanklich
die Aufgabe der Übertragung.

Der Blutregen scheint
in der Hitze zu verwinden.
Die Mütter stehen eng, sie tritt heraus:
ins Extreme gespannt
steigt sie auf die Bühne
und wagt zitternd das Wort:
„Wir haben diesen König satt.“

Des Jubels kein Ende,
ein Hauch, der ins Freie führt.
Hat der Frühling schon begonnen?

Kupfer, Kupfer – blutrot.

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