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gemeinfrei



Zenki 4 Dogen


Das Ich,
die grosse Erde,
der leere Himmel.

Das ist Leben,
was mich leben lässt,
was ich leben lasse.

Was mich sein lässt
im bewegten Gefüge
der Momente.

Mein Ich,
das leben lässt,
das Leben,
das mich sein lässt.

Der leere Himmel,
die grosse Erde,
Ich.

© wRoo 2016



Jean-Luc Godard: Ich hatte keine Bedenken, alles zu vermischen.

Was ist dann der Geist?

Frage: «Sind Worte der Geist selbst?»
Antwort: «Nein, Worte sind äußere Bedingungen, sie sind nicht der Geist.»
Fr.: «Wenn außerhalb der äußeren Bedingungen, wo ist dann der Geist zu suchen?»
A.: «Es gibt keinen Geist unabhängig von Worten.»
(Das bedeutet, der Geist liegt wohl in den Worten, ist aber nicht dasselbe wie sie.)
Fr.: «Gibt es keinen Geist, der unabhängig von Worten ist, was ist dann der Geist?»
A.: «Der Geist ist gestaltlos und bildlos. In Wahrheit ist der Geist weder unabhängig noch abhängig von Worten. Er ist ewig heiter und frei in seinem Wirken. Der Patriarch sagt: 'Wenn du begreifst, daß der Geist nicht der Geist ist, so verstehst du den Geist und seine Werke.'»

Grigory Sokolov: Beethoven "Hammerklavier" Piano Sonata No. 29, Op. 106

 

Mashup.

"Mash-up, das heißt die Vermischung von Inhalten, die nicht für diese Mischung bestimmt sind. Je weniger die Dinge zusammenpassen, desto besser. Das Prinzip ist aus der bildenden Kunst als Collage, in der Literatur als Cut-up-Technik, im Pop als Bastard-Mix bekannt. Auch im Internet findet seitens der Nutzer ein stetiger Remix, eine ständige Neuinterpretation und Umcodierung von Kunstwerken statt. Anders als bei der Collage vermischt man die Dinge nicht aus innerer Notwendigkeit, sondern lässt sie aus Neugier aufeinanderprallen. Um in der digitalen Mediengesellschaft kreativ zu sein, muss man alles Bestehende miteinander kombinieren dürfen[...]Beim Mash-up ist der Spieltrieb des Künstlers maximal aktiviert. Nach der Kollision untersucht man die Elementarteilchen, die beim Zusammenprall entstehen: Ein Mash-up ist ein ästhetischer Teilchenbeschleuniger. (Kultur im Internet. Barack Obama spricht Schwäbisch. Von Christian Kortmann. DIE ZEIT, 23.04.2009 Nr. 18)

Fernando Pessoa: Im heutigen Leben gehört die Welt nur den Narren, den Grobschlächtigen und den Betriebsamen.



Friedrich Nietzsche: Nach guten Liedern soll man lange schweigen.

das Augenkind



Das Wort, das meinen Mund verlässt.

"Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe. (jes 55, 10f.)

Wendet euch gen Osten und schaut auf das westliche Land; schaut gen Süden, und - der Nordstern wird vor euch aufleuchten.
(D.T. Suzuki)

"Ich beherrsche kein Instrument"

Brian Eno spricht über sein neues Album, die 4000 anderen Songs auf seinem Laptop und das Verschwinden der großen Leidenschaft im Pop.
Im Londoner Stadtteil Notting Hill liegt, gut versteckt in einer winzigen Sackgasse, das Studio von Brian Eno , dem klügsten Kopf der Popbranche: ein kleines, weiß angepinseltes Backsteinhaus, laute afrikanische Musik dringt nach draußen. Eno sitzt vor seinem Laptop, isst einen Salat und hört konzentriert der Musik zu, die er auf seinem Plattenspieler aufgelegt hat. Was Eno, der sich nur selten befragen lässt und immer an tausend Projekten gleichzeitig arbeitet, ablehnt: Auskünfte zu seiner Vergangenheit zu geben. Dafür beschäftigen ihn zu viele andere Themen. Politik, Wissenschaft, der Stand der Popmusik
in der Gegenwart. Als er mit dem Salat fertig ist, fragt Eno, ob es in Ordnung sei, wenn
er während des Interviews um den Tisch wandere – das sei entspannend und besser zum Denken.
DIE ZEIT: Wäre ich ein Musiker und wollte mein nächstes Album von Brian Eno produzieren lassen, so wie einst David Bowie, die Talking Heads und U2 – wie lange müsste ich warten? Wie weit in die Zukunft sind Sie ausgebucht?
Brian Eno: Weit. So weit in die Zukunft, dass es mir schwerfällt, dann überhaupt noch zuzusagen. Wer weiß, was in zwei Jahren los ist? Mit mir? Mit der Welt? Gerade hat jemand angefragt, ob ich 2018 ein Projekt übernehmen will. 2018? Lebe ich da noch?
ZEIT: Sie lehnen die meisten Anfragen vermutlich sofort ab?
Eno: Ich sage oft ab. Aber ich sollte wahrscheinlich noch viel abweisender sein.
Sehen Sie den Laptop vor mir? Nach unserem Gespräch werden in meinem E-Mail- Account mindestens zehn neue Angebote sein. Ich soll ja nicht nur Platten produzieren, sondern auch am laufenden Band Vorträge halten, Preise entgegennehmen oder in Dokumentarfilmen irgendetwas kommentieren. Das ist alles nicht zu schaffen. So leid es mir tut.
ZEIT: Was hätte ich denn als Musiker von Ihnen als Produzent zu erwarten, wenn Sie mir doch zusagen würden?
Eno: Ich stelle Fragen. Meine liebste: "Muss das so sein?" Gefolgt von: "Könnte man das auch anders machen?" Jeder arbeitet doch mit einer gewissen Routine, ich eingeschlossen.
Es ist dann immer interessant, die Meinung eines Außenseiters zu hören. Als Produzent
bin ich dieser Außenseiter. Außerdem sehe ich meine Aufgabe als Produzent darin, den Musikern etwas zu vermitteln: welche Möglichkeiten ein modernes Aufnahmestudio bietet. Studios sind letztlich große Instrumente.
ZEIT: Das klingt jetzt sehr pädagogisch.
Eno: Das Ergebnis kann auch radikal sein, wie bei meiner ersten Zusammenarbeit mit den Talking Heads. Deren Aufnahmen habe ich an meinen Geräten intuitiv bearbeitet und neu zusammengesetzt. Aber der Musiker, der nur ins Studio geht, um etwas einzuspielen, was dann exakt so auf Platte gepresst wird – dieses Bild ist doch sowieso lange überholt. Das ging mir damals auf, als ich mir Sachen von visionären Produzenten wie Phil Spector und George Martin angehört hatte. Ich dachte nur: Wow! Diese neuartigen Sounds!
Ich wusste sofort, dass so etwas nur aus der Studiotechnik kommen kann, nicht aus Musikinstrumenten. Es ging nicht mehr um musikalische Virtuosität, sondern darum, ob man ein Gefühl dafür hat, wie man aus Technik Sound macht.
ZEIT: Beherrschen Sie denn trotzdem noch echte Musikinstrumente?
Eno: Ich beherrsche kein Instrument! Ich kann nichts richtig spielen und wollte trotzdem Musik machen. Deswegen habe ich mich ja auch so früh mit der ganzen Technik beschäftigt, mit Prozessen, mit denen sich Klänge manipulieren lassen.
ZEIT: Auf Plattenhüllen scheinen Sie die Bezeichnung Musiker auch durch allerlei Kunstbegriffe zu vermeiden. "Enofication" steht da manchmal einfach nur, als Tätigkeitsbeschreibung.
Eno: Weil ich eben kein Musiker bin. Ich mache zwar Platten, nur eben nicht so, wie man es von einem "Musiker" erwartet. Ich stehe für eine neue Art des Musikmachens. Mit dem Laptop hier könnte ich umgehend ein neues Album anfangen. Aber ich habe mich noch nie hingesetzt und einen Song geschrieben. Ich gehe ins Studio und experimentiere so lange mit Klängen, bis daraus Musik wird. Mir ist das wichtig: dass mein Weg ein anderer ist. Man sollte eigentlich ein neues Wort erfinden dafür, statt Musiker. Das wäre überfällig.
ZEIT: Ist Ihre neue Platte The Ship auch an diesem Laptop entstanden?
Eno: Im Grunde ja. Auf der Festplatte liegen viertausend unfertige Stücke. Zweieinhalbtausend davon sind vielleicht interessant. Wenn ich irgendetwas Neues ausprobiere, nehme ich das immer alles auf, damit ich nichts vergesse. Und wenn jemand anfragt, ob ich Musik für diesen oder jenen Anlass liefern könnte, greife ich auf dieses Archiv zurück.
ZEIT: Sie brauchen also einen Auftrag, einen Anstoß von außen?
Eno: Ja, ohne Deadline kriege ich nichts fertig. The Ship ist entstanden, weil ich eigentlich nur den Soundtrack für eine Kunstinstallation in Stockholm liefern sollte. Während der Produktion habe ich dann spontan angefangen, zu den Tracks zu singen. Das überraschte mich selbst – und hat mich gereizt, daraus ein Album zu machen.
ZEIT: In den Texten auf The Ship beschäftigen Sie sich mit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Sehen Sie, wie so viele andere gerade, auch Parallelen zwischen jener Zeit und der Gegenwart?
Eno: Ja. Man malt sich aus, was dieser Tage noch alles passieren könnte. Hoffentlich nichts so Schlimmes wie damals, aber die Stimmung scheint mir ähnlich zu sein. Man muss sich nur Trump in den USA ansehen. Als Gegenreaktion finden dafür leidenschaftliche Linke wie Jeremy Corbyn und Bernie Sanders ein ungeahnt großes Publikum. Ich sehe das an meinen beiden jüngeren Töchtern. Die sind 24 und 26 und haben sich in ihrem Leben noch nie für Politik interessiert. Corbyn finden sie plötzlich toll, weil er vermittelt, dass er nicht Teil des etablierten Systems ist.
ZEIT: Sanders lässt sich auch auf Rockfestivals blicken und wird von jungen Musikern geliebt. Spielt Musik in diesen turbulenten Zeiten noch eine Rolle als Soundtrack der Unangepassten?
Eno: Nein. Ich glaube, dass die Musik diese Kraft tatsächlich verloren hat. Damals, Ende der Sechziger, als alles in Aufruhr war und Hendrix und die Rolling Stones und die Beatles den Soundtrack dazu lieferten, wusste jeder, wer diese Musiker waren. Es gab ja auch viel weniger Musik. Hätten wir beide damals über Hendrix gesprochen, hätten Sie Hendrix vielleicht gehasst, und ich hätte ihn geliebt – aber wir hätten beide immerhin gewusst, wer Jimi Hendrix ist. Heute haben wir den Überblick verloren.
ZEIT: Sie auch?
Eno: Ich? Schon lange! Mit all den Rap-Stars dieser Tage bin ich kaum vertraut. Kennen Sie Kendrick Lamar?
ZEIT: Ja.
Eno: Ich weiß rein gar nichts über ihn. Einen einzigen Song habe ich mal gehört. Es gibt in allen Genres zu viel. Keiner kommt hinterher. Einen Kanon der wichtigen Namen gibt es nicht mehr. Eigentlich wissen wir alle nichts mehr über die Musik der Gegenwart. Vielleicht wissen Sie alles über Beyoncé, aber ich könnte Sie mit tausend Namen konfrontieren, von denen Sie garantiert noch nie gehört haben. Und Sie kontern dann mit einer Million Namen, von denen ich noch nie gehört habe.
ZEIT: Aber das ist doch schön, dass die Vielfalt so viel größer geworden ist.
Eno: Aber wenn Musik eine verbindende rituelle Qualität haben soll, dann müssen auch alle mit dieser Musik vertraut sein. Nehmen Sie wieder meine Töchter: Die hören sich sehr viele verschiedene Sachen an, aber nichts davon bedeutet ihnen irgendetwas. Sie sind von niemandem Fan, haben für keine Musik eine besondere Leidenschaft.
ZEIT: Bei Roxy Music, mit denen Ihre Karriere begann, sind Sie 1970 allerdings auch eher zufällig gelandet – weil Sie den Saxofonisten Andy Mackay auf einem Londoner U- Bahnsteig kennenlernten. Wo wären Sie eigentlich heute, wenn Sie damals einen anderen Zug genommen hätten?
Eno: Gute Frage. Vermutlich in der Wissenschaft.
ZEIT: Sie haben sich als junger Mann intensiv mit wissenschaftlichen Theorien wie der Kybernetik beschäftigt und Aufsätze dazu verfasst. Bedauern Sie manchmal, dass Sie kein Wissenschaftler geworden sind?
Eno: Wissenschaftler interessieren sich dafür, was in dieser Welt vor sich geht. Künstler sind eher an den Alternativen zur Realität interessiert. So ist es auch bei mir. Ich könnte Ihnen jetzt sofort eine interessante Parallelwelt schildern, die ich mir in diesem Moment ausdenke. Mein Kopf ist voller solcher Ideen für alternative Wirklichkeiten. Vielleicht habe ich mich deswegen für die Kunst, für die Musik entschieden. Und das, obwohl ich kein Musiker bin!


Interview: VON Christoph Dallach

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