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HerzZeit vs. HerzSutraein Koan



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Atemkristall



Von den vielen Ungerechtigkeiten und Beleidigungen, denen ich bisher ausgesetzt war, sind mir am schlimmsten immer die Du mir zugefügt hast - auch weil ich sie nicht mit Verachtung oder Gleichgültigkeit beantworten kann, weil ich mich nicht schützen kann dagegen, weil mein Gefühl für Dich immer zu stark bleibt und mich wehrlos macht.
(Ingeborg Bachmann)

Köln, Am Hof

Herzzeit, es stehn
die Geträumten für
die Mitternachtsziffer.einiges ging seiner Wege.
Verbannt und Verloren
waren daheim.

Ihr Dome.

Ihr Dome ungesehn,
ihr Ströme unbelauscht,
ihr Uhren tief ins uns.


(Paul Celan: Köln, Am Hof)

Eine Sprache, nicht für dich und nicht für mich -
(Paul Celan)

Bruder-Klaus-Kapelle

Die alles umfassende intuitive Weisheit

Meister Dōgen erläutert seine Auslegung des Prajñāpāramitā-Hṛdaya-Sūtras. Hṛdaya bedeutet »Herz«. Dieses kurze Sūtra, das auch »Herz-Sūtra« genannt wird, ist das Herz oder die Essenz der sechshundert Bände des Mahāprajñāpāramitā-Sūtras. Obwohl es sehr kurz ist, enthält das Herz-Sūtra das wichtigste Prinzip der Buddha-Lehre. Dieses Prinzip – Prajñā oder wahre Weisheit – ist eine intuitive Fähigkeit, die alle Menschen haben und im täglichen Leben benutzen, und die sich offenbart, wenn sich Körper und Geist im harmonischen Gleichgewicht befinden.
Im Allgemeinen denken wir, Weisheit beruhe auf Wissen und Kenntnissen, aber im Buddha-Dharma basiert weises Handeln nicht auf dem Intellekt, sondern auf der Intuition.
Die richtigen Entscheidungen im Leben werden im richtigen Zustand von Körper und Geist getroffen. Dieser Zustand ist dann gegeben, wenn Körper und Geist ausgeglichen und harmonisch sind.
Mahāprajñāpāramitā ist also die Weisheit, die wir haben, wenn unser Körper und unser Geist im Gleichgewicht sind.
Zazen ist die Praxis, durch die wir, unmittelbar und intuitiv, diesen Zustand des Gleichgewichts erfahren können.


(G W Nishijima: Einweisung in Dogens Pāramitā der großen Weisheit)

 

Das Herz der vollkommenen Weisheit Sutra

Avalokitesvara Bodhisattva, in tiefste Weisheit versenkt,
erkannte, daß die fünf Skandhas
leer sind und verwandelte damit
alles Leid und allen Schmerz.

Sariputra!
Form ist nichts anderes als Leere,
und Leere ist nichts anderes als Form.
Form ist identisch mit Leere
und Leere ist identisch mit Form.

Und so ist es auch mit Empfindung,
Wahrnehmung, geistiger Formkraft
und Bewußtsein.

(Herz-Sutra)

Zwei Menschen sind in mir, einer versteht den anderen nicht.
(Paul Celan)

Herzzeit 2.0

leerHeit

Alle Dinge sind in Wahrheit leer.

Nichts entsteht und nichts vergeht.

Nichts ist unrein, nichts ist rein.

Nichts vermehrt sich
und nichts verringert sich.

Es gibt in der Leere keine Form,
keine Empfindung, keine Wahrnehmung,
keine geistige Formkraft
und kein Bewußtsein,
keine Augen, keine Ohren,
keine Nase, keine Zunge,
keinen Körper oder Geist;
es gibt nichts zu sehen,
hören, riechen,
schmecken, fühlen
oder denken,
keine Unwissenheit
und auch kein Ende der Unwissenheit,
kein Altern und keinen Tod,
noch deren Aufhebung,
kein Leiden und keine Ursache des Leidens,
kein Auslöschen und keinen Weg der Erlösung,
keine Erkenntnis und auch kein Erreichen.

(Herz-Sutra)

Gegen-Bilder



freiHeit

Weil es nichts zu erreichen gibt,
leben Bodhisattvas Prajna Paramita
und ihr Geist ist unbeschwert
und frei von Angst.

Befreit von allen Verwirrungen,
allen Träumen und Vorstellungen,
verwirklichen sie vollständiges Nirvana.

Alle Buddhas der Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft
leben Prajna Paramita
und erreichen damit die höchste Erleuchtung.

Erkenne deshalb,
daß Prajna Paramita das große Mantra ist,
das strahlende Mantra,
das unübertroffene Mantra,
das höchste Mantra,
das alles Leiden stillt.

Dies ist die Wahrheit,
die Wahrheit ohne Fehl.

(Herz-Sutra)

Gedichte sind ein Versuch, sich mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen, ein Versuch, Wirklichkeit zu gewinnen, Wirklichkeit sichtbar zu machen. Wirklichkeit ist für das Gedicht also keineswegs etwas Feststehendes, Vorgegebenes, sondern etwas in Frage Stehendes. Im Gedicht ereignet sich Wirkliches, trägt Wirklichkeit sich zu.
(Paul Celan)

Ich möchte der sein, der ich bin.

Und ich frage mich eben, wer bin ich für Dich, wer nach soviel Jahren? Ein Phantom, oder eine Wirklichkeit, die einem Phantom nicht mehr entspricht. Denn für mich ist viel geschehen und ich möchte der sein, der ich bin, heute, und nimmst Du mich heute wahr? Das eben weiss ich nicht, und das macht mich verzweifelt.
(Ingeborg Bachmann: Herzzeit. S. 153 f.)

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