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[celan] mashUp

Dichten ist Maß-Nahme



Soviel Gestirne

SOVIEL GESTIRNE, die
man uns hinhält. Ich war,
als ich dich ansah - wann? -,
draußen bei
den andern Welten.
O diese Wege, galaktisch,
o diese Stun de, die uns
die Näc hte herüberwog in
die Last unsrer Name n. Es ist,
ich weiß es, nicht wahr,
daß wir lebten, es ging
blind nur ein Atem zwischen
Dort und Nicht-da und Zuwe ilen,
kometenhaft schwirrte ein Aug
auf Erloschenens zu, in den Schluchten,
da, wo's verglüht e, stand
zitzenprächtig die Zeit,
an der schon empor- und hinab-
und hinwegwuchs, was
ist oder war oder sein wird -,
ich weiß,
ich weiß und du weißt, wir wußten,
wir wußten nicht, wir
waren ja da und nicht dort,
und zuweilen, wenn
nur das Nichts zwischen uns stand, fanden
wir ganz zueinander.
(Paul Celan: Soviel Gestirne )

Du Darfst

Celan: Eine Sprache, je nun, ohne Ich und ohne Du, lauter Er, lauter Es, verstehst du, lauter Sie, und nichts als das.

Celan: Sprich -
Doch scheide das Nein nicht vom ja.
Gib deinem Spruch auch den Sinn:
gib ihm den Schatten.

Gegen-Bilder



Dein Unglück

Ich beklage mich nicht. Ich habe, ohne es zu wissen, gewusst, dass dieser Weg, den ich einschlagen wollte, eingeschlagen habe, nicht mit Rosen eingefasst sein würde. Du sagst, man verleide Dir Deine Uebersetzungen. Lieber Paul, das war vielleicht das einzige, das ich ein wenig angezweifelt habe, ich meine nicht Deine Berichte, sondern ihre Auswirkungen, aber ich glaube Dir jetzt vollkommen, denn ich habe nun die Bösartigkeit der professionellen Uebersetzer auch zu spüren bekommen, mit deren Einmischung ich auch nicht rechnete. Man macht sich einen Witz daraus, über meine angeblichen Fehler zu sprechen, Leute, die was mich nicht kränken würde, schlechter Italienisch können und andre, die es vielleicht besser können, aber jedenfalls Leute, die keine Ahnung haben, wie ein Gedicht im Deutschen aussehen sollte. Verstehst Du: ich glaube Dir, alles, alles. Nur glaube ich nicht, dass sich der Klatsch, die Kritik, auf Dich beschränken, denn ich könnte ebensogut des Glaubens sein, dass sie sich auf mich beschränken. Und ich könnte Dir beweisen, wie Du mir beweisen kannst, dass es so ist. Was ich nicht kann: es Dir ganz beweisen, weil ich die anonymen und andren Papierfetzen wegwerfe, weil ich glaube, dass ich stärker bin als diese Fetzen, und ich will, dass Du stärker bist, als diese Fetzen, die nichts, nichts besagen. Aber das willst Du ja nicht wahrhaben, dass dies nichts besagt, Du willst, dass es stärker ist, Du willst Dich begraben lassen darunter. Das ist Dein Unglück, das ich für stärker halte als das Unglück, das Dir widerfährt. Du willst das Opfer sein, aber es liegt an Dir, es nicht zu sein,
(Ingeborg Bachmann: Herzzeit. S. 154 f.)

Joseph Beuys: Durch Menschen bewegen sich Ideen fort, während sie in Kunstwerken erstarren und schließlich zurückbleiben.

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