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[celan] mashUp

ich grab mich dir zu



Wasser und Feuer

Wasser und Feuer
So warf ich dich denn in den Turm und sprach ein Wort zu den Eiben,

draus sprang eine Flamme, die maß dir ein Kleid an, dein Brautkleid:

Hell ist die Nacht,
hell ist die Nacht, die uns Herzen erfand
hell ist die Nacht!


Sie leuchtet weit übers Meer,
sie weckt die Monde im Sund und hebt sie auf gischtende Tische,
sie wäscht sie mir rein von der Zeit:
Totes Silber, leb auf, sei Schüssel und Napf wie die Muschel!

Der Tisch wogt stundauf und stundab,
der Wind füllt die Becher,
das Meer wälzt die Speise heran:
das schweifende Aug, das gewitternde Ohr,
den Fisch und die Schlange –

Der Tisch wogt nachtaus und nachtein,
und über mir fluten die Fahnen der Völker,
und neben mir rudern die Menschen die Särge an Land,
und unter mir himmelts und sternts wie daheim um Johanni!

Und ich blick hinüber zu dir,
Feuerumsonnte:
Denk an die Zeit, da die Nacht mit uns auf den Berg stieg,
denk an die Zeit,
denk, daß ich war, was ich bin:
ein Meister der Kerker und Türme,

ein Hauch in den Eiben, ein Zecher im Meer,
ein Wort, zu dem du herabbrennst.

(Paul Celan: Wasser und Feuer.)

Wolfsbohne

Celan: Eine Sprache, je nun, ohne Ich und ohne Du, lauter Er, lauter Es, verstehst du, lauter Sie, und nichts als das.

Celan: In meinem ersten Gedichtband habe ich manchmal noch verklärt - das tue ich nie wieder!

Atemwende



Dein Unglück

Ich beklage mich nicht. Ich habe, ohne es zu wissen, gewusst, dass dieser Weg, den ich einschlagen wollte, eingeschlagen habe, nicht mit Rosen eingefasst sein würde. Du sagst, man verleide Dir Deine Uebersetzungen. Lieber Paul, das war vielleicht das einzige, das ich ein wenig angezweifelt habe, ich meine nicht Deine Berichte, sondern ihre Auswirkungen, aber ich glaube Dir jetzt vollkommen, denn ich habe nun die Bösartigkeit der professionellen Uebersetzer auch zu spüren bekommen, mit deren Einmischung ich auch nicht rechnete. Man macht sich einen Witz daraus, über meine angeblichen Fehler zu sprechen, Leute, die was mich nicht kränken würde, schlechter Italienisch können und andre, die es vielleicht besser können, aber jedenfalls Leute, die keine Ahnung haben, wie ein Gedicht im Deutschen aussehen sollte. Verstehst Du: ich glaube Dir, alles, alles. Nur glaube ich nicht, dass sich der Klatsch, die Kritik, auf Dich beschränken, denn ich könnte ebensogut des Glaubens sein, dass sie sich auf mich beschränken. Und ich könnte Dir beweisen, wie Du mir beweisen kannst, dass es so ist. Was ich nicht kann: es Dir ganz beweisen, weil ich die anonymen und andren Papierfetzen wegwerfe, weil ich glaube, dass ich stärker bin als diese Fetzen, und ich will, dass Du stärker bist, als diese Fetzen, die nichts, nichts besagen. Aber das willst Du ja nicht wahrhaben, dass dies nichts besagt, Du willst, dass es stärker ist, Du willst Dich begraben lassen darunter. Das ist Dein Unglück, das ich für stärker halte als das Unglück, das Dir widerfährt. Du willst das Opfer sein, aber es liegt an Dir, es nicht zu sein,
(Ingeborg Bachmann: Herzzeit. S. 154 f.)

Jean-Luc Godard: Aus kleinen Schnipslen neu gewebte Geschichte(n).

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