www.zuschauKunst.de

myArt150515



161106,...160923,...160618,...160515,...160507,...160422,...160227,...151220,...150926,...1500815,...150623,...150515,...150406,...150103,...141212,...141028

lauter Wörter und kein einziges Wort



Oberinspirator. Was der Heilige Geist bewirken kann.

Der Heilige Geist ist unberechenbar. Er kann jeden treffen, entflammen, animieren. Aber wie? So vielfältig wie seine Formen sind auch seine Folgen. Aus der Kirche kennen wir die Taube als sein bekanntestes Symbol, das uns im Petersdom in Rom ebenso wie in deutschen Dorfkirchen begegnet. Doch die sanfte Taube entspricht nicht ganz der biblischen Tradition, vor allem nicht jener Stelle im Neuen Testament, als der Heilige Geist die Jünger erfüllt: "Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm dahinfährt, und erfüllte das ganze Haus. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten. Auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder."
Sturmgebraus und Feuerzungen sind die gefährlichen Attribute des Heiligen Geistes. Dementsprechend wirkt er: Er wirbelt die Dinge durcheinander. Er kehrt das Unterste zuoberst. Er macht Verdorrtes lebendig und sprengt Versteinertes auf. Wenn die Propheten Träger des Heiligen Geistes sind, dann sollten wir sie uns nicht als harmlose Prediger vorstellen, sondern als kernige Kerle, die auf Veränderung drängen. Sie sind revolutionär, weil sie penetrant auf Alternativen hinweisen.
Ist das kreativ? Es ist inspiriert, also mehr. Zum biblischen Begriff von Inspiriertheit gehört der reformerische Impuls. Veni creator spiritus! Komm, Schöpfergeist! Das heißt: Verändere die Welt! Kunst kann gefällig sein, der Heilige Geist ist niemals Mainstream. Als Lebensgabe Gottes an die Menschen befähigt er uns, etwas neu und anders zu machen, jenseits der ausgetretenen Pfade. Das ist Kreativität.
Durch das Einhauchen des Geistes wird der Mensch zum Geschöpf und zum Mitschöpfer. Er soll das Schöpfungswerk Gottes fortsetzen. Man könnte sagen, Gott braucht den Menschen, um sich auszudrücken, so wie der Künstler sich im Kunstwerk ausdrückt. Aber es gibt einen Unterschied. Gott kreiert eine Kreatur. Er erschafft ein Bild seiner selbst, das nicht mit ihm identisch, sondern eigenständig und frei ist. Das vermag auch der größte Künstler nicht. Wenn wir an die gescheiterten menschlichen Versuche denken, Kopien vom Menschen zu erschaffen, wenn wir uns an Frankensteins Monster erinnern, dann wissen wir: Hier fehlt etwas. Wir Menschen können unseren Kreationen keine Kreativität und keine Freiheit einhauchen. Hier verläuft die Grenze dessen, was der Mensch kann und darf.
Der Heilige Geist markiert die Schnittstelle zwischen der Kreativität Gottes und der des Menschen. Ist er eine Eigenschaft Gottes? Nein. Er gehört zum Wesen Gottes. Ist er eine Eigenschaft des Künstlers? Nein. Aber an großen Künstlern kann man erahnen, was Heiliger Geist ist: kein Macher, kein Überwältiger, kein Egoist – sondern ein Hauch, ein Sturm, ein Feuer, das aus sich selbst heraus auf andere wirkt.
Und woran erkennen wir nun, ob ein Mensch wahrhaft inspiriert ist oder nur verrückt? An seiner Wirkung auf andere. Der Uninspirierte will manipulieren wie ein Diktator. Der echte Inspirierte will selber inspirierend wirken. Er macht andere Menschen nicht abhängig, sondern beflügelt, befähigt und befreit sie zum Leben.

Johanna Rahner: Oberinspirator.

Jean-Luc Godard: Ich versuche, in der ganzen Konfusion etwas klarer zu sein, indem ich Momente der Vermischung zeige.

Thich Nhat Hanh

Mensch als Mensch.

Ich glaube, die Kunst ist die einzige Tätigkeitsform, durch die der Mensch als Mensch sich als wahres Individuum manifestiert. Durch sie allein vermag er das animalische Stadium zu überwinden, denn die Kunst ist ein Ausweg in Regionen, wo weder Zeit noch Raum herrschen. Leben heißt glauben, wenigstens glaube ich das.
(Marcel Duchamps.)

 

Geliebter alter Zauberer.

Ich werde Zeuge eines einzigartigen physiologischen Phänomens: John Slade, wie er die Welt wahrnimmt und sie transformiert, sie herein- und auseinandernimmt, ihre Elemente, noch während er sie speichert, neu zusammenfügt, um zu irgendeinem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt ein organisches Wunder hervorzubringen, eine Fusion von Bild und Musik, eine Verszeile. (...)
Mein grauhaariger Freund, mein geliebter Zauberer, legte einen Packen Karteikarten in seinen Hut - und schüttelte ein Gedicht daraus hervor.
(Vladimr Nabokov: Fahles Feuer. S. 33.)

John Cage: Wenn jemand schläfrig ist, soll er schlafen.

zufällige Doppelschöpfung



Martin Heidegger: Die Stimmung gehört zum Sein des Menschen.

lauter Wörter und kein einziges Wort



Ohne Anfang, ohne Ende.

Die vielfältige Schrift kann nämlich nur entwirrt, nicht entziffert werden. Die Struktur kann zwar in allen ihren Wiederholungen und auf allen ihren Ebenen nachvollzogen werden (so wie man eine Laufmasche ‚verfolgen’ kann), aber ohne Anfang und ohne Ende. Der Raum der Schrift kann durchwandert, aber nicht durchstoßen werden. Die Schrift bildet unentwegt Sinn, aber nur, um ihn wieder aufzulösen.
(Roland Barthes: Der Tod des Autors.)

John Cage: Ich bin hier und es gibt nichts zu sagen.

home wRoo Kontakt & Impressum