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ein aufrechtes Schweigen



Oberinspirator. Was der Heilige Geist bewirken kann.

Der Heilige Geist ist unberechenbar. Er kann jeden treffen, entflammen, animieren. Aber wie? So vielfältig wie seine Formen sind auch seine Folgen. Aus der Kirche kennen wir die Taube als sein bekanntestes Symbol, das uns im Petersdom in Rom ebenso wie in deutschen Dorfkirchen begegnet. Doch die sanfte Taube entspricht nicht ganz der biblischen Tradition, vor allem nicht jener Stelle im Neuen Testament, als der Heilige Geist die Jünger erfüllt: "Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm dahinfährt, und erfüllte das ganze Haus. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten. Auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder."
Sturmgebraus und Feuerzungen sind die gefährlichen Attribute des Heiligen Geistes. Dementsprechend wirkt er: Er wirbelt die Dinge durcheinander. Er kehrt das Unterste zuoberst. Er macht Verdorrtes lebendig und sprengt Versteinertes auf. Wenn die Propheten Träger des Heiligen Geistes sind, dann sollten wir sie uns nicht als harmlose Prediger vorstellen, sondern als kernige Kerle, die auf Veränderung drängen. Sie sind revolutionär, weil sie penetrant auf Alternativen hinweisen.
Ist das kreativ? Es ist inspiriert, also mehr. Zum biblischen Begriff von Inspiriertheit gehört der reformerische Impuls. Veni creator spiritus! Komm, Schöpfergeist! Das heißt: Verändere die Welt! Kunst kann gefällig sein, der Heilige Geist ist niemals Mainstream. Als Lebensgabe Gottes an die Menschen befähigt er uns, etwas neu und anders zu machen, jenseits der ausgetretenen Pfade. Das ist Kreativität.
Durch das Einhauchen des Geistes wird der Mensch zum Geschöpf und zum Mitschöpfer. Er soll das Schöpfungswerk Gottes fortsetzen. Man könnte sagen, Gott braucht den Menschen, um sich auszudrücken, so wie der Künstler sich im Kunstwerk ausdrückt. Aber es gibt einen Unterschied. Gott kreiert eine Kreatur. Er erschafft ein Bild seiner selbst, das nicht mit ihm identisch, sondern eigenständig und frei ist. Das vermag auch der größte Künstler nicht. Wenn wir an die gescheiterten menschlichen Versuche denken, Kopien vom Menschen zu erschaffen, wenn wir uns an Frankensteins Monster erinnern, dann wissen wir: Hier fehlt etwas. Wir Menschen können unseren Kreationen keine Kreativität und keine Freiheit einhauchen. Hier verläuft die Grenze dessen, was der Mensch kann und darf.
Der Heilige Geist markiert die Schnittstelle zwischen der Kreativität Gottes und der des Menschen. Ist er eine Eigenschaft Gottes? Nein. Er gehört zum Wesen Gottes. Ist er eine Eigenschaft des Künstlers? Nein. Aber an großen Künstlern kann man erahnen, was Heiliger Geist ist: kein Macher, kein Überwältiger, kein Egoist – sondern ein Hauch, ein Sturm, ein Feuer, das aus sich selbst heraus auf andere wirkt.
Und woran erkennen wir nun, ob ein Mensch wahrhaft inspiriert ist oder nur verrückt? An seiner Wirkung auf andere. Der Uninspirierte will manipulieren wie ein Diktator. Der echte Inspirierte will selber inspirierend wirken. Er macht andere Menschen nicht abhängig, sondern beflügelt, befähigt und befreit sie zum Leben.

Johanna Rahner: Oberinspirator.

Roland Barthes: Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors.

Thich Nhat Hanh

Rückkehr in die Jugend.

Wenn ich an solchen Abenden erst spät nach Hause kam, kehrte ich mit Vergnügen in das mir nun nieht mehr feindselig scheinende Zimmer zurück und suehte gern mein Bett auf, das am Tage meiner Ankunft mir wie eine für alle Zeiten unmögliche Lagerstatt vorgekommen war, auf das aber jetzt meine erschlafften Glieder gerne niedersanken; nacheinander versuchten Schenkel, Hüften und Schultern sich fest in alle Stellen der Bettücher einzuschmiegen, die die Matratze umhüllten, als wolle meine Müdigkeit einem Bildhauer gleich einen genauen Abguß des menschlichen Körpers nehmen, Doch ich fand keinen Schlaf, ich fühlte den Morgen noch nahen; die Ruhe der guten Gesundheit war nicht mehr in mir, und in meinem Zustand der Überreizung schien mir auch, ich werde sie nie mehr finden. Im hätte lange schlafen müssen, um sie zurückzuerlangen. Hätte ich aber auch einschlummern können, wäre ich doch zwei Stunden später durch das Symphoniekonzert geweckt worden. Plötzlich schlief ich ein, ich fiel in jenen tiefen Schlaf, in dem sich für uns eine Rückkehr in die Jugend vollzieht, ein erneuter Ablauf der vergangenen Jahre, der Gefühle, die uns abhanden gekommen sind, eine Entstofflichung und Wanderung der Seelen, ein Wiederersmeinen der Toten, wahnhafte Täuschungen, ein Zurücktauchen in die elementarsten Reiche der Natur.
(Marcel Proust.)

 

Filme und Jazz.

Ich habe meine Filme eher so gemacht wie zwei, drei Jazzmusiker arbeiten: Man gibt sich ein Thema, man spielt und dann organisiert es sich von selbst.
(Jean-Luc Godard: Einführung in eine wahre Geschichte des Kinos. S416)

Martin Heidegger: Der Zeitvertreib ist ein Angehen gegen das Zögern der Zeit, das uns bedrängt.

Gegen-Worte



Denis Diderot: Ich lese, oder ich unterhalte mich; ich frage, oder ich antworte.

Wolken



Dass ein Bild nicht nur Bild bleibe

Wo ist Unschuld? Wo der Wille zur Zeugung ist. Und wer über sich hinaus schaffen will, der hat mir den reinsten Willen.
Wo ist Schönheit? Wo ich mit allem Willen wollen muß; wo ich lieben und untergehn will, daß ein Bild nicht nur Bild bleibe.
Lieben und Untergehn: das reimt sich seit Ewigkeiten. Wille zur Liebe: das ist, willig auch sein zum Tode.
(Friedrich Nietzsche Also sprach Zarathustra. Frankfurt a.M. 1982. S. 125f.)

 Hölderlin: Der Menschen Worte verstand ich nie. Im Arme der Götter wuchs ich groß.

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