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myArt150623



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das Augenkind



Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!

Sag nicht, daß ich morgen abreisen werde,
denn ich komme auch heute noch an.

Betrachte es ganz tief: Jede Sekunde komme ich an,
sei es als Knospe in einem Frühlingszweig
oder als winziger Vogel mit noch zarten Flügeln,
der im neuen Nest erst singen lernt.
Ich komme an als Raupe im Herzen der Blume
oder als Juwel, verborgen im Stein.

Ich komme stets gerade erst an, um zu lachen und zu weinen,
mich zu fürchten und zu hoffen.
Der Schlag meines Herzens ist Geburt und Tod
von allem, was lebt.

Ich bin die Eintagsfliege,
die an der Wasseroberfläche des Flusses schlüpft.
Und ich bin auch der Vogel, der herabstürzt, um sie zu schnappen.

Ich bin der Frosch, der vergnüglich im klaren
Wasser eines Teiches schwimmt.
Und ich bin die Ringelnatter,
die in der Stille den Frosch verspeist.

Ich bin das Kind aus Uganda, nur Haut und Knochen,
mit Beinchen so dünn wie Bambusstöcke.
Und ich bin der Waffenhändler,
der todbringende Waffen nach Uganda verkauft.

Ich bin das zwölfjährige Mädchen,
Flüchtling in einem kleinen Boot,
das von Piraten vergewaltigt wurde
und nur noch den Tod im Ozean sucht.
Und ich bin auch der Pirat,
mein Herz ist noch nicht fähig,
zu erkennen und zu lieben.

Ich bin ein Mitglied des Politbüros
mit reichlich Macht in meinen Händen.
Und ich bin der Mann, der seine „Blutschuld“
an sein Volk zu zahlen hat
und langsam in einem Arbeitslager stirbt.

Meine Freude ist wie der Frühling.
So warm, daß sie die Blumen auf der ganzen Erde
erblühen läßt.
Mein Schmerz ist wie ein Tränenstrom.
So mächtig, daß er alle vier Meere ausfüllt.
Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!
Damit ich all mein Weinen und Lachen
zugleich hören kann.
Damit ich sehe,
daß meine Freude und mein Schmerz eins sind.

Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!
Damit ich erwache!
Damit das Tor meines Herzens von nun an offen steht,
das Tor des Mitgefühls.“

(Thich Nhat Hanh – aus dem Buch „Zeiten der Achtsamkeit“)

Jean-Luc Godard: Übrigens hat man mir von Anfang an beigebracht, Formen zu respektieren, also habe ich versucht, sie zu zerstören.

Achtsamkeit

Mt 6, 3f.

Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf daß dein Almosen verborgen sei; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich.

 

Synthetische Fragmente.

"Man muß jetzt viele Punkte gleichzeitig bringen, so daß die Leute in einen Wahlzwang kommen. D.h., sie können vielleicht gar nicht mehr wählen, aber sie müssen schnell entscheiden, was sie sich zuerst aufpacken[...] Es geht glaube ich nur noch mit überschwemmungen. [...]Die Fragmentarisierung eines Vorgangs betont seinen Prozeßcharakter, verhindert das Verschwinden der Produktion im Produkt (Heiner Müller: Der Dramatiker und die Geschichte seiner Zeit)
Die Interpretation ist die Arbeit des Zuschauers [...] Dem Zuschauer darf diese Arbeit nicht abgenommen werden."
(Heiner Müller: Die Form entsteht aus dem Maskieren)

Dalai Lama: Solange das Weltall besteht, solange Lebendiges lebt, so lange möchte auch ich bestehen, um das Elend der Welt zu vertreiben.

Sprachbad



Paul Celan: Lesen Sie! Immerzu lesen, das Verständnis kommt von selbst.

Pallaksch



Sinn konstruieren.

Ein und dieselber Erfahrung kann für zwei verschiedene Menschen unterschiedlich Sinn haben, wenn die beiden über verschiedene Glaubensschablonen verfügen und auf verschiedene Weisen aus Erfahrungen Sinn konstruieren.
David Foster Wallace: Das hier ist Wasser.

Bertolt Brecht: Für das Publikum gilt einem Stück gegenüber: Jeder sein eigener Kolumbus.

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