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Pallaksch



Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!

Sag nicht, daß ich morgen abreisen werde,
denn ich komme auch heute noch an.

Betrachte es ganz tief: Jede Sekunde komme ich an,
sei es als Knospe in einem Frühlingszweig
oder als winziger Vogel mit noch zarten Flügeln,
der im neuen Nest erst singen lernt.
Ich komme an als Raupe im Herzen der Blume
oder als Juwel, verborgen im Stein.

Ich komme stets gerade erst an, um zu lachen und zu weinen,
mich zu fürchten und zu hoffen.
Der Schlag meines Herzens ist Geburt und Tod
von allem, was lebt.

Ich bin die Eintagsfliege,
die an der Wasseroberfläche des Flusses schlüpft.
Und ich bin auch der Vogel, der herabstürzt, um sie zu schnappen.

Ich bin der Frosch, der vergnüglich im klaren
Wasser eines Teiches schwimmt.
Und ich bin die Ringelnatter,
die in der Stille den Frosch verspeist.

Ich bin das Kind aus Uganda, nur Haut und Knochen,
mit Beinchen so dünn wie Bambusstöcke.
Und ich bin der Waffenhändler,
der todbringende Waffen nach Uganda verkauft.

Ich bin das zwölfjährige Mädchen,
Flüchtling in einem kleinen Boot,
das von Piraten vergewaltigt wurde
und nur noch den Tod im Ozean sucht.
Und ich bin auch der Pirat,
mein Herz ist noch nicht fähig,
zu erkennen und zu lieben.

Ich bin ein Mitglied des Politbüros
mit reichlich Macht in meinen Händen.
Und ich bin der Mann, der seine „Blutschuld“
an sein Volk zu zahlen hat
und langsam in einem Arbeitslager stirbt.

Meine Freude ist wie der Frühling.
So warm, daß sie die Blumen auf der ganzen Erde
erblühen läßt.
Mein Schmerz ist wie ein Tränenstrom.
So mächtig, daß er alle vier Meere ausfüllt.
Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!
Damit ich all mein Weinen und Lachen
zugleich hören kann.
Damit ich sehe,
daß meine Freude und mein Schmerz eins sind.

Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!
Damit ich erwache!
Damit das Tor meines Herzens von nun an offen steht,
das Tor des Mitgefühls.“

(Thich Nhat Hanh – aus dem Buch „Zeiten der Achtsamkeit“)

Marcel Proust: Das wahre Leben, das endlich entdeckte und aufgeklärte Leben, als folglich einzig wirklich gelebtes Leben, ist die Kunst.

Achtsamkeit

Die Wahrnehmung ist doppelt.

In den Augenblicken, in denen wir die unvoreingenommensten Zuschauer der Natur, der Gesellschaft, der Liebe, ja selbst der Kunst sind, erfahren wir, dass jede Wahrnehmung doppelt ist: die eine Hälfte steckt im Objekt, die andere in uns und kann nur von uns allein erkannt werden. Wir beeilen uns aber, diese zu vernachlässigen, obschon sie die einzige ist, der wir nachgehen müssten. Wir berücksichtigen nur die andere Hälfte, die, da sie nur äußerlich ist, nicht vertieft werden kann, sie verdient also nicht unsere Mühe. Wir finden andrerseits die Aufgabe zu schwierig, die kleine Spur wahrzunehmen, dIe der Anblick einer Weißdomhecke oder einer Kirche in unserem Innern hinterlassen hat.
(Marcel Proust.)

 

Das Buch der Wandlungen.

Die Wandlungen sind ein Buch,
Dem man nicht ferne bleiben darf.
Sein SINN ist stets wechselnd,
Veränderung, Bewegung ohne Rast,
Durchfließend die sechs leeren Plätze;
Sie steigen auf und fallen ohn’ Verharren,
Die Festen und die Weichen wandeln sich.
Man kann sie nicht in eine Regel schließen;
Nur Anderung ist es, was hier wirkt.
(I Ging.)

Georg Büchner: Einander kennen? Wir müßten uns die Schädeldecken aufbrechen und die Gedanken einander aus den Hirnfasern zerren.

Klon



Joseph Beuys: Kunst ist das eigentlich konkrete Kapital, und das muß bewußt werden.

das Augenkind



Sprechendes Ich

Freilich ist hier niemals die Sprache selbst, die
Sprache schlechthin am Werk, sondern immer
nur ein unter dem besonderen Neigungswinkel
seiner Existenz sprechendes Ich ...
(Paul Celan)

Jean-Luc Godard: Heute glaubt man zu kommunizieren, aber man tut es nicht.

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