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Die Werke der Alten



Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!

Sag nicht, daß ich morgen abreisen werde,
denn ich komme auch heute noch an.

Betrachte es ganz tief: Jede Sekunde komme ich an,
sei es als Knospe in einem Frühlingszweig
oder als winziger Vogel mit noch zarten Flügeln,
der im neuen Nest erst singen lernt.
Ich komme an als Raupe im Herzen der Blume
oder als Juwel, verborgen im Stein.

Ich komme stets gerade erst an, um zu lachen und zu weinen,
mich zu fürchten und zu hoffen.
Der Schlag meines Herzens ist Geburt und Tod
von allem, was lebt.

Ich bin die Eintagsfliege,
die an der Wasseroberfläche des Flusses schlüpft.
Und ich bin auch der Vogel, der herabstürzt, um sie zu schnappen.

Ich bin der Frosch, der vergnüglich im klaren
Wasser eines Teiches schwimmt.
Und ich bin die Ringelnatter,
die in der Stille den Frosch verspeist.

Ich bin das Kind aus Uganda, nur Haut und Knochen,
mit Beinchen so dünn wie Bambusstöcke.
Und ich bin der Waffenhändler,
der todbringende Waffen nach Uganda verkauft.

Ich bin das zwölfjährige Mädchen,
Flüchtling in einem kleinen Boot,
das von Piraten vergewaltigt wurde
und nur noch den Tod im Ozean sucht.
Und ich bin auch der Pirat,
mein Herz ist noch nicht fähig,
zu erkennen und zu lieben.

Ich bin ein Mitglied des Politbüros
mit reichlich Macht in meinen Händen.
Und ich bin der Mann, der seine „Blutschuld“
an sein Volk zu zahlen hat
und langsam in einem Arbeitslager stirbt.

Meine Freude ist wie der Frühling.
So warm, daß sie die Blumen auf der ganzen Erde
erblühen läßt.
Mein Schmerz ist wie ein Tränenstrom.
So mächtig, daß er alle vier Meere ausfüllt.
Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!
Damit ich all mein Weinen und Lachen
zugleich hören kann.
Damit ich sehe,
daß meine Freude und mein Schmerz eins sind.

Bitte, nenne mich bei meinem wahren Namen!
Damit ich erwache!
Damit das Tor meines Herzens von nun an offen steht,
das Tor des Mitgefühls.“

(Thich Nhat Hanh – aus dem Buch „Zeiten der Achtsamkeit“)

Joseph Beuys: Die Kunst ist etwas Lebendiges unter Umständen auch nur ein fragmentarischer Impuls.

Achtsamkeit

Die Wahrnehmung ist doppelt.

In den Augenblicken, in denen wir die unvoreingenommensten Zuschauer der Natur, der Gesellschaft, der Liebe, ja selbst der Kunst sind, erfahren wir, dass jede Wahrnehmung doppelt ist: die eine Hälfte steckt im Objekt, die andere in uns und kann nur von uns allein erkannt werden. Wir beeilen uns aber, diese zu vernachlässigen, obschon sie die einzige ist, der wir nachgehen müssten. Wir berücksichtigen nur die andere Hälfte, die, da sie nur äußerlich ist, nicht vertieft werden kann, sie verdient also nicht unsere Mühe. Wir finden andrerseits die Aufgabe zu schwierig, die kleine Spur wahrzunehmen, dIe der Anblick einer Weißdomhecke oder einer Kirche in unserem Innern hinterlassen hat.
(Marcel Proust.)

 

Ozean von Möglichkeiten.

Ich sehe keinen Grund dafür, dass die Dinge linear sein sollen. Mir kommt es vor als seien wir in einem Ozean von Möglichkeiten; es ist kein grader Fluss, ich würde es als Flussdelta bezeichnen. Vielleicht haben wir sogar den Fluss verlassen und sind im Ozean.
(John Cage: Out of the Cage.)

Martin Heidegger: Zeitvertreib ist ein Zeit antreiende Wegtreiben der Langeweile.

urHeberrecht



Karl Valentin: Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.

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Die Schreibung ist etwas Lebendiges.

Sie dürfen nicht verkennen, die Orthographie war nicht immer so, wir tendieren viel zu sehr dahin, die als steinerne Gesetzestafeln Mose zu betrachten, es, Orthographie, Schreibung ist ja etwas Lebendiges und nur Duden erst hat diesen steifleinen Ton hineingebracht. Um die Etyms richtig unterbringen zu können, muß die Orthographie flexibel werden.<
Was wir die dudengeregelte Sprache heißen ist eigentlich nur die Sprache des Bewußtseins. Das Unbewußte kennt keine Worte, sondern, es kennt nur (wie ich sie für mich getauft hahe): Etyms.
Jedes Etym faßt, und zwar auf akustischer Basis, eine ganze Anzahl Worte zusammen. Das hat mit der beliebten Wurzel der Philologen ührigens nichts zu tun, denn die Etyms vereinen auch gänzlich divergierende Worte. Es gibt also weniger Etyms, als Worte, Das Unbewußte ist ja dumpfer, als das Beußtsein.
Die ganze Methode läuft insofern gar nicht auf Witze hinaus, als so, am besten, die Meinung sämtlicher Instanzen der Persönlichkeit wiedergegeben werden kann in eine Buchstabenfolge zusammengefaßt. Das Verfahren ist also organisch, berechtigt und gut. -(Arno Schmidt: Über Zettels Traum. S. 35 f.)

 Paul Celan: Eine Sprache, nicht für dich und nicht für mich -

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