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digitale gesell Schaft



sternenKlang

ein stein der
den andern
zum ziel nahm
stein im geröll

vor dem sternenKlang:
augenHören, ohrenSchauen -
steinAnstein; wie wir
unsere Worte
bilden - kaum hörbar -
der du in Wünschen lebst,

droben im Weltgestänge
fragt ein Mund,
was Plastik sein kann -
sternAnstern; wie wir
unsere Worte
umgestalten - allein verloren -
zum Aufschwung bereit,

vom Stein zum Stern.
Sprachlos
sprechen meine Hände.
schlagAufschlag - wie wir
unsere Worte
formen - trunken -

freudig nahm
der eine
den anderen
sternenKlang
© wRoo 2013


Jean-Luc Godard: Ich hatte keine Bedenken, alles zu vermischen.

Worte, die in meinem Herz geschrieben sind.

Sutras und Gedichte -
ich stecke sie unter meine Robe,
verbrenne sie alle.
Nicht aber die Worte,
die in mein Herz geschrieben sind.
(Ikkyu Sôjun)

John Lennon: Woman

 

Versuch über das Leben der Künstler.

Indem die Anderszaubernden sich unaufhörlich wandeln, atmen sie den Raum aus, aus dem ihnen alles kommt. Seine Weite ist ihnen geläufiger als ihr manifestes Werk. Sie könnten alles, was sie erschaffen haben, vergessen, nur nicht die Sphäre, aus der das Schaffen kommt und weitergeht.
Peter Sloterdijk: Versuch über das Leben der Künstler.

Marcel Proust: Das Individuum webt in etwas, das allgemeiner ist als es selbst.



Joseph Beuys: Künstler sind Arschlöcher.

Dichten ist Maß-Nahme



Betrachtung der Formen.

Im menschlichen Bereich entsteht ästhetische Form wenn Traditionen existieren die stark und beständig wie Berge durch leuchtende Schönheit angenehm gemacht werden. Betrachten wir die Formen die es in den Himmeln gibt lernen wir, die Zeit und ihre sich ändernden Forderungen verstehen. Durch die Betrachtung der Formen, die in der menschlichen Gesellschaft bestehen, wird es möglich, die Welt zu gestalten.
(John Cage: Silence. S. 40f.)

Wohin ich auch gehe, treffe ich mich selbst.
(Tozan)

Peinliche Wahrheit


Was bleibt, wenn Boykottieren, Einbinden und Anpassen nichts bringen? Zu lange hat das Zentrum auf die Radikalen gestarrt.
Von Jörg Lau
1. Mai 2016 DIE ZEIT Nr. 19/2016, 28. April 2016
Norbert Hofer
Norbert Hofer © Dominic Ebenbichler/Reuters
So ist das, wenn in einem europäischen Land die politische Mitte implodiert: Kaum ist der erste Schock vorüber, wird die Beruhigungsmaschine angeworfen. Ach, die Österreicher wieder mal. Sind halt etwas kippelig auf der rechten Seite. Überhaupt sind sie sehr speziell, die Ösis – mit ihren ewigen großen Koalitionen, der Klientelwirtschaft und ihrer fast schon wieder charmanten Geschichtsvergessenheit.
Österreich - FPÖ triumphiert bei Präsidentschaftswahl Der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer hat sich am Sonntag bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich klar an die Spitze gesetzt. Er tritt nun im Mai in einer Stichwahl gegen den Ex-Parteichef der Grünen, Alexander Van der Bellen, an.
Schon trudeln Ratschläge zur Schadensbegrenzung ein: Jetzt müssten sich halt "alle demokratischen Kräfte" (Sigmar Gabriel) zusammenraufen, und die etablierten Parteien müssten nur "ordentlich arbeiten", dann werde der freundlich lächelnde, aber stramm rechte Norbert Hofer von den "Freiheitlichen" die Stichwahl in einem Monat verlieren und nicht als Bundespräsident in die Wiener Hofburg einziehen.
Man braucht schon viel Marillenschnaps, um daran zu glauben. Was, wenn genau solch routiniertes Abmoderieren Teil des Problems ist?
Die peinliche Wahrheit ist leider, dass heute niemand weiß, wie man den Aufstieg der Rechtspopulisten stoppen kann. Sie sind in nahezu allen westlichen Ländern im Aufwind, die Führungsmacht USA und neuerdings Deutschland eingeschlossen. Der Hannoveraner Mini-Gipfel am Montag war da sehr sprechend. Obama, Merkel, Hollande, Renzi, Cameron – die führenden Politiker der (linken und rechten) Mitte haben alle mit populären rechten Strömungen zu kämpfen. Und die Bilanz ist bitter.
Drei Strategien sind schon gescheitert: Boykott, Einbindung und Anpassung.
Als die "Freiheitlichen" unter Jörg Haider im Jahr 2000 mit der konservativen ÖVP koalieren wollten, verhängte die EU unter deutscher Führung Strafmaßnahmen. Vom Trotz gegen die Sanktionen profitierte Haider.
In Dänemark und den Niederlanden wurde das Gegenteil versucht: Mitte-rechts-Regierungen ließen sich von rechts außen dulden und übernahmen sogar weite Teile von deren Agenda. Die Hoffnung, die Rechtspopulisten so klein halten zu können, trog. Sie hatten nun Einfluss ohne Verantwortung – und wuchsen weiter.
Was die Strategie der Anpassung mit den Etablierten macht, sieht man in Frankreich, in den USA und wiederum in Österreich: Sarkozy wollte Le Pen überflüssig machen – und zerstörte mit frivolen Auftritten ("die Banlieue kärchern") die konservative Partei. Die Republikaner übernahmen die Ideologie der Tea Party und haben nun Donald Trump nichts entgegenzusetzen. In Österreich schließlich wurde die abrupte Wende hin zu einer restriktiven Flüchtlingspolitik mit dem historischen Sieg jenes Gegners belohnt, dem man doch zuvorkommen wollte.
Wenn Boykottieren, Einbinden und Anpassen nichts bringen, was bleibt? Kann es sein, dass schon die Perspektive falsch ist – dass die Fixierung auf die andere Seite alles verhext?
Die Erosion der Mitte ist die eigentliche Gefahr für liberale Gesellschaften
Klammheimliche Berliner Genugtuung darüber, dass die Wiener Regierung für ihre Untreue zu Merkel bestraft wurde, ist voreilig. Auch in Deutschland zerbröselt die Mitte: Der Erfolg der AfD erzwingt einstmals undenkbare Bündnisse. Die werden dann mit bunten Etiketten wie "Kenia" beklebt wie jetzt Rot, Schwarz, Grün in Sachsen-Anhalt – ein fragiles, glanzloses Notbündnis. Merkel und Seehofer streiten über sinnlose Fragen wie die, ob Zuwanderung eine Obergrenze habe oder ob in Deutschland "Unrecht" herrsche. (Auflösung: Erste Frage: Ja, aber keiner kennt sie. Zweite: Nein.)
Kann man in Zeiten von Terrorismus, autoritärer Versuchung und Flüchtlingszustrom die Mitte (wieder-)gewinnen? Ein paar gute Vorsätze: Ohne Ressentiment von Identität und Heimat reden (was natürlich auch die Zugewanderten einschließt). Einem Autokraten wie Erdoğan klare Grenzen setzen, damit sich nicht der Eindruck festsetzt, wir seien erpressbar. Den Nationalstaat – die beste Schutzmacht der Schwachen und das bislang einzige Gehäuse der Demokratie – nicht gegen Europa ausspielen. Ohne moralische Überheblichkeit über Verantwortung in der globalisierten Welt streiten.
Zu lange hat das politische Zentrum auf die neue Rechte gestarrt. Die Erosion der Mitte ist die eigentliche Gefahr für die liberalen Gesellschaften des Westens.

1. Mai 2016 DIE ZEIT Nr. 19/2016, 28. April 2016
Norbert Hofer
Norbert Hofer © Dominic Ebenbichler/Reuters
COPYRIGHT: ZEIT ONLINE ADRESSE: http://www.zeit.de/2016/19/rechtspopulisten-erfolg-oesterreich-wahl.

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