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Freundlich
aber stumm
begrüßt wRoo
den Zuschaukünstler.
Er schweigt,
hört, sieht, fühlt
und staunt...

Psalm -
Ja,ja, .-)
Nein, nein...?-(
ein Koan

"Was soll das?!"
sagt der Zuschaukünstler
und spuckt aus.

wRoo weint eine Träne,
die im Gesicht erstarrt,
und lächelt.

Er küsst
den Zuschaukünstler, wie sonst nur
Honecker seine Freinde
küssen konnte.

wRoo 5/2016


Roland Barthes: Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors.

Buddha ist Leere

Unser Wahn lässt uns glauben, dass beim Tod des Körpers die Seele weiterlebe. Doch dies ist ein schwerer Irrtum! Die Erleuchteten erklärten, dass Körper und Geist gemeinsam verschwinden. Buddha ist Leere, Himmel und Erde kehren zum Ursprung des Daseins zurück. )
(Ikkyu Sôjun)

Jimi Hendrix - Somewhere Over The Rainbow

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Eine Zusammenstimmung entgegengesetzter Spannungen.

Die Welt, die die gleiche für alle ist, hat keiner unter den Göttern oder Menschen gemacht; sondern sie war immer, ist jetzt und wird immer ein ewiglebendes Feuer sein, in Massen sich entzündend und in Massen erlöschend.
Die Menschen wissen nicht, wie das, was verschieden ist, mit sich selbst übereinstimmt. Es ist eine Zusammenstimmung entgegengesetzter Spannungen, wie die des Bogens und der Lyra.
Paare sind ganze und nicht ganze Dinge, was zusammengezogen und auseinandergezogen ist, das Zusammenklingende und das Mißklingende. Das eine ist aus allen Dingen zusammengefügt, und alle Dinge gehen aus dem einen hervor.
Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluß und Hunger; aber er nimmt verschiedene Gestalten an.
Es ist das Entgegengesetzte, was gut für uns ist.
(Heraklit)

Heraklit: Das Höchste dessen, was der Mensch fähig ist, ist das Sich-besinnen (auf das Ganze), und die Weisheit (Besonnenheit) ist, das Unverborgene als Unvorborgens zu sagen und zu tun gemäß dem Walten der Dinge, auf sie hinhorschend.



Heraklit: Gott ist Tag-Nacht, Winter-Sommer, Krieg-Frieden, Sattsein-Hunger. Er wandelt sich wie das Feuer: mit Röucherwerk vermischt, wird es benannt nach seinem Dufte, so oder so.

Massive Volume Reduction



Gefahr des Glücklichsten.

Feine Sinne und einen feinen Geschmack haben; an das Ausgesuchte und Allerbeste des Geistes wie an die rechte und nächste Kost gewöhnt sein; einer starken, kühnen, verwegenen Seele genießen; mit ruhigem Auge und festem Schritte durch das Leben gehen, immer zum Äußersten bereit wie zu einem Feste, und voll des Verlangens nach unentdeckten Welten und Meeren, Menschen und Göttern; auf jede heitere Musik hinhorchen, als ob dort wohl tapfere Männer, Soldaten, Seefahrer sich eine kurze Rast und Lust machen, und im tiefsten Genusse des Augenblicks überwältig werden von Tränen und von der ganzen purpurnen Schwermut des Glücklichen: wer möchte nicht, daß das alles gerade sein Besitz, sein Zustand wäre! Es war das Glück Homers! Der Zustand dessen, der den Griechen ihre Götter – nein, sich selber seine Götter erfunden hat! Aber man verberge es sich nicht: mit diesem Glück Homers in der Seele ist man auch das leidensfähigste Geschöpf unter der Sonne! Und nur um diesen Preis kauft man die kostbarste Muschel, welche die Wellen des Daseins bisher ans Ufer gespült haben! Man wird als ihr Besitzer immer feiner im Schmerz, und zuletzt zu fein: ein kleiner Mißmut und Ekel genügte am Ende, um Homer das Leben zu verleiden. Er hatte ein törichtes Rätselchen, das ihm junge Fischer aufgaben, nicht zu raten vermocht! Ja, die kleinen Rätsel sind die Gefahr der Glücklichsten!
(Friedrich Nietzsche: Fröhliche Wissenschaft.)

Geh lieber mit deinen eigenen Füßen selbständig auf deinem Weg.
(Nakagawa Roshi)

Der Herr der Gegensätze


Er war kein Superstar mehr, aber er war ein freier Mann. Was hinterlässt uns Prince? Fünf Thesen
Erstens: kein Opfer. Die großen weltbewegenden Stars der afroamerikanischen Musik sind selten mit heiler Haut davongekommen. Bessie Smith, Charlie Parker, Billie Holiday, Miles Davis, Jimi Hendrix, Nina Simone, James Brown und Michael Jackson konnten sehr unterschiedliche Lieder von Drogen, Gefängnis, Rassismus, Unordnung und frühem Leid singen. Als Prince seine Karriere in den späten 1970er Jahren begann, war das US-amerikanische Musikgeschäft noch weitgehend segregiert. Man machte seine Karriere als schwarzer Musiker, selbst wenn sie Gattungsgrenzen hinter sich ließ, in den R-'n'-B-Charts und wurde von den dazugehörigen Radiosendern gespielt. Ausgerechnet MTV verschärfte diese Praktik in den 1980er Jahren noch und ließ erst nach massivem Druck die Superstars der Epoche, Michael Jackson und Prince, in seinen Programmen zu. Der Sender, der später, als es gar keinen "weißen" Mainstream mehr gab, noch jahrelang von Hip-Hop und R ’n’ B lebte, wollte Afroamerikaner allen Ernstes raushalten.
Prince hat sich gegen diese Struktur von Anfang an zur Wehr gesetzt, und zwar auch und das sehr deutlich mit ästhetischen Mitteln: Er schnallte seine überbordenden Ideen auf Gerüste, die weder eindeutig funky noch nur rockig waren. Er stellte sich in eine Linie mit afroamerikanischen Idolen wie Jimi Hendrix und Sly Stone, denen es für kurze historische Momente gelungen war, mehrere Kulturrevolutionen der 1960er und 70er zusammenzuschalten: "schwarze", "weiße", politische und psychedelische. Doch nicht nur Hendrix starb früh, auch Stone versank in einem nicht enden wollenden Elend von Drogenzusammenbrüchen und gescheiterten Comeback-Versuchen. Prince wollte das nicht, er wollte kein Opfer sein, und er wollte aus den Tragödien seiner Vorbilder lernen.
Prince - "Er war genial" Für den französischen Musikkritiker Philippe Manœuvre hinterlässt der verstorbene Musiker, Sänger und Produzent Prince eine große Lücke. Mit Princes Tod sei zugleich der Funk gestorben.
Zweitens: Kontroverse. Album Nummer drei und vier heißen zu Beginn der Achtziger programmatisch Dirty Mind und Controversy, sie machen Prince zu einer so nicht oft erlebten öffentlichen Persona, die darauf drängt, Inhalte und Funktion der Musik ernst zu nehmen. Die sexuelle Aura, die Prince umgab, die er inszenierte und performte, nannte er zugleich mit einem abstrakten Wort beim Namen: sexuality. Er gab Reiz und Reflexion in seine Performance, zeigte auf, was er machte, ohne auch nur für einen Moment aus dieser Performance einen Gang rauszunehmen. Ambivalenz ist gar kein Ausdruck. Im konservativen Klima puritanischer Kulturkämpfe, die in den frühen Reagan-Jahren tobten, von der homophoben Aids-Hysterie bis zu den Debatten um die Kulturbehörde NEA und ihre Förderung von künstlerischen Sexualitätsdarstellungen bei Robert Mapplethorpe, Andres Serrano und anderen, erlaubte er sich einen schillernden, para-queeren Act, der dann gerne auch wieder in supergockeliges Machotum kippte. Prince zelebrierte dies nicht nur, er verkoppelte es mit einem Diskurs: sexuality.
Drittens: Kontrolle. Um seine Ziele zu erreichen und den Erfolg zu überleben, brauchte Prince vor allem eines: Kontrolle. Kontrolle ist ein ästhetisches Thema aller Nachkriegsmusik: Seit der großen Zeit der elektronischen Musik, der Kölner Studios für neue Musik und des Pariser IRCAM steht die Frage der Bestimmbarkeit von immer mehr Parametern der Musik im Zentrum der Debatte. In der avancierten Popmusik wird sodann durch Joe Meek, Brian Wilson, Lee Perry und George Martin das Studio sprichwörtlich zum Instrument einer erweiterten Kontrolle von Sound und Stil. In den 1970ern erkämpfen sich einzelne Künstler eine noch weiterreichende Kontrolle über die performativen und imagebildenden Komponenten: Stil, Auftreten, politische Position, sexuelle Orientierung, Kostüm und Kulisse, Film und Video. Mit der Independent-Bewegung ging es seit den Achtzigern um die ökonomische Voraussetzung dieser Kontrolle: die Unabhängigkeit von der Schallplattenindustrie.
Nur bei Prince schießen all diese spezifischen Fortschritte so zusammen, dass sein gesamtes öffentliches Gebaren, sein musikalischer Stil wie seine Veröffentlichungspolitik von einer markanten, persönlichen Handschrift der üppigen Verweigerung gekennzeichnet waren. Er machte sich später mehr und mehr von der Schallplattenindustrie unabhängig – andere Altersgenossen wie die Einstürzenden Neubauten und Public-Enemy-Mitglied Chuck D versuchten Ähnliches. Prince wollte nicht enden wie Sly Stone und kämpfte gegen Warner wie ein Berserker. Er schrieb sich das tonnenschwere Traumawort slave auf die Wange, um gegen die Rechteinhaber an seiner Musik zu protestieren: Das passte zu seiner allseits überbordenden Theatralik. Leider verrannte er sich später infolge dieses Kampfes in einen Abmahnwahn, der selbst Videos von Familienfeiern sperren wollte, wenn im Hintergrund leise ein Prince-Song zu erkennen war.
Nachdem er seit 1978 schon fünf Alben veröffentlicht hatte, schaffte 1984 Prince den Durchbruch mit "Purple Rain". Im gleichnamigen Kinofilm spielte er selbst die Hauptrolle. © Richard E. Aaron/Redferns
Kostümierung, Theatralik und Verführungsspiele: Prince wusste sein Publikum zu bannen, hier 1985 in Los Angeles. © Michael Ochs Archives/Getty Images
158 Zentimeter Körperspannung: 1986 in der Londoner Wembley Arena © Michael Putland/Getty Images
Prince liebte das Androgyne und das Spiel mit Geschlechteridentitäten. An seiner Seite wurde Sheila E. bekannt als eine der wenigen Schlagzeugerinnen in einer Männerdomäne. © Dave Hogan/Getty Images
Das Mikrofon muss eine Waffe sein. 1993 hatte Prince sich umbenannt in "The Artist Formerly Known As Prince" (Tafkap) und sich von seiner bisherigen Plattenfirma getrennt, um unabhängiger zu sein. Den Kampf gegen die Industrie führte er über zwei Jahrzehnte.
Fünf Jahre lang war er in zweiter Ehe mit Manuela Testolini verheiratet, einer Angestellten in seinem Paisley-Park-Studio. 2006 reichte sie die Scheidung ein. © Frank Micelotta/Getty Images
Sexy Motherfucker mit 49: Im Jahr 2007 bestritt Prince die Halbzeitpause des Super Bowl. © Evan Agostini/Getty Images
Die Gitarre als technische Verlängerung des Körpers. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen. © Jonathan Daniel/Getty Images
Prince mit seiner legendären Symbol-Gitarre. Der Deutsche Jerry Auerswald baute sie für ihn aus antikem Ahornholz. © Jonathan Daniel/Getty Images
Der Schönheitsfleck, diese Haare, der Satin: Prince hatte immer seinen eigenen Kopf und seinen eigenen Stil. © Bertrand Guay/AFP/Getty Images
In den letzten Jahren war Prince kommerziell nicht mehr sehr erfolgreich. Die Resonanz auf seine neuen Alben war gering, seine Konzerte weren nicht ausverkauft. Aber bei den großen Festivals spielte er gegen Gagen im teilweise siebenstelligen Bereich pro Abend.
Viertens: Kollaboration. Der Preis der allseitigen Kontrolle ist nicht nur eine gesalzene Paranoia – auch davon durften schon andere Virtuosen des Instrumentes Studio und der durch kein Copyright geschützten Disziplin Sound-Idee singen. Auf die Dauer wird es langweilig, wenn man als Rezipient und Fan alle Einfälle immer nur auf einen Urheber zurückführen soll und sich dafür mit der öden Monokausalität namens Genie zufriedengeben. Am Ende der Vielfalt stand immer der multidisziplinäre Monarch. Aber auch dagegen wusste der Minneapolitaner ein Gegenmittel: Er umgab sich mit Kollaborateuren und Kolleginnen, die mindestens so schillernd aussahen und performten wie er selbst – vorzugsweise Frauen. Auch wenn Vanity, Apollonia, Sheila E., Wendy & Lisa oder die von ihm gegründeten Bands wie The Revolution oder The New Power Generation keine stabilen Co-Künstler wurden – Prince verstand immer die frische, wirbelnde Diversität, die er verbreitete, bei aller Monomanie auf einen ganzen Quirl von Urhebern umzulenken. Der Eindruck, zumal live, war stets der, dass es dort, wo das herkommt, noch mehr davon geben muss. Als enorm produktiver Produzent und flinker Förderer anderer Talente wusste er diesen Eindruck zu verstärken.
Fünftens: Zeichen der Zeit. Prince hat diese auch nach seinen großen Tagen immer wieder zu lesen gewusst. Was ihn aber ein bisschen aus dem Gleis der Relevanz warf, war die Etablierung mindestens zweier globaler, afroamerikanisch geprägter Musikkulturen, die dann doch ganz anders funktionierten als seine hochklassige Autoren-Partymusik: nämlich Hip-Hop und House/Techno. Beide entstanden während seiner großen Zeit in den 1980ern, neben und unterhalb seiner stilbildenden Klassiker. In den 1990ern bildeten sie bereits große, auseinandermäandernde Schulen und Genre-Clouds, an denen vielfältige Szenen mit einem ganz anderen Musikverständnis hingen – mehr Battle, Konkurrenz, klassische Männlichkeit im Hip-Hop; Anonymität, Sounddesign statt Komposition, Repetition statt Expression in House und Techno.
Prince hatte auch diese Möglichkeiten zwar stets gekannt, geahnt und mit ihnen gespielt, aber in ein letztlich von ihm bestimmtes Privatuniversum eingefügt, wo jeder neue Beat als individueller Einfall gemeint war, nicht als Vorschlag oder Bestandteil eines eher anonymen Genres. Als er am 21. April ziemlich überraschend starb, war er immer noch eine zentrale Instanz einer zeitgenössischen Popmusik, die ganz in seinem Sinne so bunt und vielfältig ist wie nie und doch gleichzeitig in bürokratischem Narzissmus versinkt. Aber er war kein Superstar mehr. Gibt es noch einen?

Von Diedrich Diederichsen
29. April 2016 DIE ZEIT Nr. 19/2016, 28. April 2016

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