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myArt150926



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Dichten ist Maß-Nahme



Todesursache
Nervengas Giftgas
regt den Körper an
produziert
viel Flüssigkeit
Schleim

die Menschen
ertrinken
im eigenen Schleim
kein Rätsel kein Schein
Schleim in dem
die Menschen ertrinken

er läuft
durch die Luftröhre
in die Lungen kein Blut
vor den Mündern
nur Schleim Schleim
Schaum vor dem Mund

in wenigen Minuten
starben Hunderte
viele Kinder
und sie gruben
und gruben und hörten
und hören nichts mehr

kein Rätsel
kein Schein

und sie graben
und graben
und hören nicht
hören nichts
kein rätsel
kein Schein

Tränen Speichel
Schleim
manche lebten noch
und keuchten
und keuchten
und starben

ohne Worte sprachlos
am Ende
haben alle
alle
das gleiche
Gesicht

Tod
und
Auferstehung
ich grab
ich grab mich
dir zu

© wRoo 2014


Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt. (Mt, 20, 16)

Frühstücksgespräch

Rückkehr in die Jugend.

Wenn ich an solchen Abenden erst spät nach Hause kam, kehrte ich mit Vergnügen in das mir nun nieht mehr feindselig scheinende Zimmer zurück und suehte gern mein Bett auf, das am Tage meiner Ankunft mir wie eine für alle Zeiten unmögliche Lagerstatt vorgekommen war, auf das aber jetzt meine erschlafften Glieder gerne niedersanken; nacheinander versuchten Schenkel, Hüften und Schultern sich fest in alle Stellen der Bettücher einzuschmiegen, die die Matratze umhüllten, als wolle meine Müdigkeit einem Bildhauer gleich einen genauen Abguß des menschlichen Körpers nehmen, Doch ich fand keinen Schlaf, ich fühlte den Morgen noch nahen; die Ruhe der guten Gesundheit war nicht mehr in mir, und in meinem Zustand der Überreizung schien mir auch, ich werde sie nie mehr finden. Im hätte lange schlafen müssen, um sie zurückzuerlangen. Hätte ich aber auch einschlummern können, wäre ich doch zwei Stunden später durch das Symphoniekonzert geweckt worden. Plötzlich schlief ich ein, ich fiel in jenen tiefen Schlaf, in dem sich für uns eine Rückkehr in die Jugend vollzieht, ein erneuter Ablauf der vergangenen Jahre, der Gefühle, die uns abhanden gekommen sind, eine Entstofflichung und Wanderung der Seelen, ein Wiederersmeinen der Toten, wahnhafte Täuschungen, ein Zurücktauchen in die elementarsten Reiche der Natur.
(Marcel Proust.)

 

Wandlungen der Leere.

Jeder Augenblick zeigt, was geschieht. Ich entwickelte die Kompositionsmethode durch das Losen mit Münzen, die im Buch der Wandlungen verwendet wird. Man mag einwenden, dass von diesem Standpunkt aus alles geht.
Tatsächlich geht auch alles, aber nur wenn nichts zur Grundlage genommen wird. In einer völligen Leere kann alles stattfinden. Und unnötig es zu sagen, jeder Klang ist einmalig (kam zufällig vor, während gespielt wurde) und ist nicht informiert über europäische Geschichte und Theorie: Hällt man den Verstand auf die Leere gerichtet, auf den Raum, kann man sehen, es kann alles darin sein, ist tatsächlich darin.
(John Cage: Silence. S. 124f.)

John Cage: Wenn jemand schläfrig ist, soll er schlafen.

Bach Cello Solo Nr. 1

 Paul Celan: Das letzte Wort, das euch ansah, soll jetzt bei sich sein und bleiben.

Everything is a remix



Mit einer großen Freiheit.

Denn woher kommt eigentlich der Rhythmus? Doch aus einer Verpflichtung und weil man diese Verpflichtung innerhalb einer gegebenen Zeit erfüllen muß. Der Rhythmus kommt vom Stil, den man hat, gegenüber der Verpflichtung. Es gibt Leute, die mit viel Stil aus dem Gefängnis ausbrechen. Fidel Castro ist ausgebrochen und dann mit einem gewissen Stil, einem gewissen Rhythmus, einer gewissen Verpflichtung und in einem gegebenen Zeitraum nach Havanna zurückgekommen. Er hat nicht gesagt: Battista hat sechzigtausend Leute, die in den Buchten auf mich warten, also werde ich erst in hundertfünfzig Jahren kommen, wenn mir zweihundertfünfzigtausend Leute zur Verfügung stehen. Es gab da eine Verpflichtung. Das macht den Stil und den Rhythmus. Und das heißt überhaupt nicht, sich zu beugen, im Gegenteil, es heißt, stärker und wendiger zu werden. Und seinen Rhythmus findet man da, wo man es geschafft hat, wendiger zu werden. Und hier zum Beispiel ist es allein aus diesem Grund zu dieser Montage gekommen. Ich finde, daher kommen wirklich die besten Momente des Films. Es sind die Augenblicke, wo etwas mit einer großen Freiheit gemacht wird, wo es eine Verpflichtung gibt und wir ihr mit einer großen Freiheit nachkommen.
(Jean-Luc Godard: Einführung in eine wahre Geschichte des Kinos. S.30)

Fernando Pessoa: Der Onanist ist der einzige, der sich nichts vormacht und sich nicht betrügt.

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