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ein aufrechtes Schweigen



Todesursache
Nervengas Giftgas
regt den Körper an
produziert
viel Flüssigkeit
Schleim

die Menschen
ertrinken
im eigenen Schleim
kein Rätsel kein Schein
Schleim in dem
die Menschen ertrinken

er läuft
durch die Luftröhre
in die Lungen kein Blut
vor den Mündern
nur Schleim Schleim
Schaum vor dem Mund

in wenigen Minuten
starben Hunderte
viele Kinder
und sie gruben
und gruben und hörten
und hören nichts mehr

kein Rätsel
kein Schein

und sie graben
und graben
und hören nicht
hören nichts
kein rätsel
kein Schein

Tränen Speichel
Schleim
manche lebten noch
und keuchten
und keuchten
und starben

ohne Worte sprachlos
am Ende
haben alle
alle
das gleiche
Gesicht

Tod
und
Auferstehung
ich grab
ich grab mich
dir zu

© wRoo 2014


Joseph Beuys: Die Kreativität des Menschen ist das wahre Kapital.

Frühstücksgespräch

Vom guten Willen.

Die Welt schaffen. Freiheit ist ja was Positives, ein Produktionsbegriff, ist ja keine Willkür, ist ja keine, sagen wir mal Entlastung von Verantwortung. Im Gegenleil, der Begriff der Freiheit lastet ja dem Menschen die ganze Verantwortung auf, das heißt doch eigentlich: Mit dem Begriff der Freiheit ist ausgesprochen, daß jetzt nicht mehr andere für den Menschen alles mögliche machen, sondern daß es der Mensch jetzt selbst aus seiner Freiheit und Verantwortung machen muß. Nicht, das heißt es doch, jetzt radikal ausgesprochen? Und das lastet den Menschen doch vor allen Dingen die Verantwortung auf, in diesem Begriff die Notwendigkeitscharakter zu erkennen, und nicht, daß man sagt: So, aha, Freiheit, jetzt kann ich tun und lassen, was ich will, jetzt kann ich machen, was ich will. Das wäre dann richtig, wenn es Menschen gäbe, die guten Willens sind; das ist ja auch das schöne Wort. Das heißt, der gute Wille teilt nicht die Menschen ein in Menschen, die guten Willens sind und nicht guten Willens sind, sondern der gute Wille ist etwas, was in jedem Menschen möglich ist. Der gute Wille ist aber notwendig, damit die Freiheit gefüllt ist mit ihrer Möglichkeit, mit Eigenverantwortung am Mitgestalten der Welt oder einer zukünftigen Gestalt der Menschheit und der Welt zu arbeiten. Dazu ist der gute Wille nötig. Das wird ja leicht mißverstanden.
(Joseph Beuys: Werkstattgespräch mit Joseph Beuys. Stuttgart 2011. S. 84)

 

Eine Zusammenstimmung entgegengesetzter Spannungen.

Die Welt, die die gleiche für alle ist, hat keiner unter den Göttern oder Menschen gemacht; sondern sie war immer, ist jetzt und wird immer ein ewiglebendes Feuer sein, in Massen sich entzündend und in Massen erlöschend.
Die Menschen wissen nicht, wie das, was verschieden ist, mit sich selbst übereinstimmt. Es ist eine Zusammenstimmung entgegengesetzter Spannungen, wie die des Bogens und der Lyra.
Paare sind ganze und nicht ganze Dinge, was zusammengezogen und auseinandergezogen ist, das Zusammenklingende und das Mißklingende. Das eine ist aus allen Dingen zusammengefügt, und alle Dinge gehen aus dem einen hervor.
Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluß und Hunger; aber er nimmt verschiedene Gestalten an.
Es ist das Entgegengesetzte, was gut für uns ist.
(Heraklit)

Heraklit: Das Höchste dessen, was der Mensch fähig ist, ist das Sich-besinnen (auf das Ganze), und die Weisheit (Besonnenheit) ist, das Unverborgene als Unvorborgens zu sagen und zu tun gemäß dem Walten der Dinge, auf sie hinhorschend.

Bach Cello Solo Nr. 1

Joseph Beuys: Jeder Mensch ist ein Künstler.

Everything is a remix



Jeder Text ist immer hier und jetzt geschrieben.

Die Abwesenheit des Autors (man könnte hier mit Brecht von einer wirklichen ‚Distanzierung’ sprechen: der Autor wird zu einer Nebenfigur der literarischen Bühne reduziert) ist nicht nur ein historisches Faktum oder ein Schreibakt, sondern verwandelt den modernen Text von Grund auf. Mit anderen Worten: Der Text wird von nun an so gemacht und gelesen, dass der Autor in jeder Hinsicht verschwindet. Zunächst einmal verändert sich die Zeit. Der Autor – wenn man denn an ihn glaubt – wird immer als die Vergangenheit seines eigenen Buches verstanden. Buch und Autor stellen sich in ein und dieselbe Reihe, unterschieden durch ein Vorher und Nachher. Der Autor ernährt vermeintlich das Buch, das heißt, er existiert vorher, denkt, leidet, lebt für sein Buch. Er geht seinem Werk zeitlich voraus wie ein Vater seinem Kind. Hingegen wird der moderne Schreiber im selben Moment wie sein Text geboren. Er hat überhaupt keine Existenz, die seinem Schreiben vorausginge oder es überstiege; er ist in keiner Hinsicht das Subjekt, dessen Prädikat sein Buch wäre. Es gibt nur die Zeit der Äußerung, und jeder Text ist immer hier und jetzt geschrieben.
(Roland Barthes: Der Tod des Autors.)

Martin Heidegger: In der Langeweile handelt es sich um eine Weile, ein Verweilen, um ein eigentümliches Bleiben, Dauern.

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